Warum potenzieren?

Zu Beginn seiner homöopathischen Tätigkeit setzte Hahnemann seine Arzneien noch in unpotenziertem Zustand ein. Er versuchte, speziell bei den giftigen Arzneimitteln, welche zu seiner Zeit oft verwendet wurden, möglichst kleine Dosen zu verwenden. Doch auch in kleinen Mengen hatten manche Substanzen noch schwerwiegende Nebenwirkungen. Speziell wenn man sie über eine längere Zeit hätte einnehmen sollen. 

Da er nicht bereit war, im Gegensatz zu anderen Ärzten seiner Zeit, diesen Zustand als gegeben hinzunehmen, suchte er nach einer anderen Lösung. Die fand er schliesslich darin, dass er die giftigen Grundsubstanzen nicht nur möglichst stark verdünnte, sondern dass er die Verdünnungen auch in jedem Arbeitsschritt gut durchschüttelte. Er entdeckte, dass seine Ursubstanzen nicht nur verträglicher und nebenwirkungsärmer wurden je mehr er die Stoffe verdünnte, sondern dass gleichzeitig die Wirkung stärker und tiefgreifender wurde. 

Er begann intensiv und akribisch auch auf diesem Gebiet zu forschen. Dieses “Verdünnen und Verschütteln” nannte er in Folge dann “Potenzierung”. Seine, durch dieses neue Verfahren, erzielten therapeutischen Erfolge verblüfften die damalige Fachwelt. Ausserdem motivierten sie ihn, gleichzeitig weiter in diese Richtung zu forschen. Bis an das Ende seiner Lebenszeit hatte er drei verschiedene Arten der Potenzierung entwickelt. Alle drei werden in der Homöopathie auch heute noch benutzt. 

Manchmal entdeckte er, dass eine Substanz ihre medizinische Wirkung sogar erst durch diesen Prozess entfalten konnte. Ein bekanntes Beispiel ist das Natrium muriaticum, gewöhnliches Kochsalz. In der medizinischen Forschung wird als Placebo oft eine Kochsalzlösung verwendet, weil sie im Körper neutral ist und absolut gar keine Wirkung verursacht. Ihre Wirkung zeigt sie erst, wenn sie genug potenziert worden ist. Für die Homöopathie ist dementsprechend das Kochsalz, also Natrium muriaticum, ein sehr wichtiges und oft verwendetes Mittel. 

Arten der Potenzierung 

Es gibt grundsätzlich drei Arten der Potenzierung in der Homöopathie:

  • Die D-Potenzen, welche in 10er-Schritten potenziert werden. Also immer ein Tropfen von der Substanz in neun Tropfen einer neutralen Flüssigkeit, im Normalfall Alkohol. 
  • Die C-Potenzen. Das sind die Potenzen, welche hier bei uns am öftesten eingesetzt werden. In einem Potenzierungsschritt werden bei ihnen jeweils ein Tropfen der Substanz mit 99 Tropfen neutraler Flüssigkeit verklopft. 
  • Dann gibt es noch die Q-Potenzen, auch LM-Potenzen genannt. Sie werden in einem etwas komplizierteren Verfahren hergestellt. Am Ende eines jeden Potenzierungsschrittes sind sie ungefähr im Verhältnis 1:50000 verdünnt worden. 

Diese letztgenannten, die Q-Potenzen, eignen sich vor allem in der konstitutionellen Behandlung sehr gut. Ihre Wirkung ist stark, gleichzeitig aber auch noch sanfter als die der anderen Potenzierungsweisen. Ihre Einnahme erfolgt nach anderen Regeln als bei anderen Potenzierungen. Das hat zum Vorteil, dass man sie jederzeit pausieren oder auch absetzen kann, sollte es notwendig werden. 

C-Potenzen können für akute Probleme, sowie auch konstitutionelle Behandlungen eingesetzt werden. Je nach Art der Symptome wählt man eher eine höhere oder niedrige Potenz. In Hausapotheken befinden sich oft Mittel im Bereich von C30. 

D-Potenzen eignen sich vor allem für kleinere, akute Beschwerden. Sie müssen häufiger eingenommen werden als die anderen Potenzierungsarten. Auch sie sind in manchen Hausapotheken zu finden, meistens im Bereich von D6 bis D12.

So hat jede der Potenzierungsarten ihre Vor- und Nachteile. Bei jeder Mittelverschreibung in einer homöopathischen Praxis wird in Folge nicht nur das Mittel sorgfältig ausgewählt, sondern auch die Potenz, in der es verabreicht wird. 

Wenn ein Chemiker die homöopathische Arznei untersucht, findet er nur Wasser und Alkohol; wenn er eine Diskette untersucht, nur Eisenoxid und Vinyl. Beide können jedoch jede Menge Informationen bergen.

Dr. Peter Fisher, Forschungsleiter am Royal London Homeopathic Hospital